Wie sich für den Mexikaner Fernando Acosta mit den Donau Volleys in Regensburg ein Traum erfüllt

Claus Wotruba

Gute Laune hatten die Donau Volleys Oscar Trautner, Moritz Engelmann und Jonas Daschke (von links) nach guter Leistung schon trotz des Auftakt-0:3 im hessischen Kriftel. Jetzt ist die Vorfreude auf das erste Heimspiel groß. – Foto: Imago/Marcel Lorenz, Brüssel

Es ist der Eintritt in eine neue Volleyballwelt. Auswärts haben die Donau Volleys im hessischen Kriftel sie schon betreten und beim Vorjahresvierten in Kriftel mit dem 0:3 trotz achtbarer 63 Punkte erlebt, dass man eine Schippe drauflegen muss. Jetzt steht am Sonntag ab 15 Uhr in der Clermont-Ferrand-Halle das erste Heimspiel gegen die L. E. Volleys aus Leipzig an – und nicht nur der neue Trainer Markus Pielmeier, früher selbst Erstliga-Volleyballer, ist gespannt, „wie sehr in Regensburg schon angekommen ist, dass wir da spielen”.

Fernando Acosta ist mindestens genauso gespannt. Der Mexikaner ist der Vorstand für Leistungssport und Verwaltung, einer der Donau Volleys der ersten Stunde und selbst ein bisschen überrascht, wie schnell der zu Coronazeiten gegründete Verein nicht nur eine Bestandslücke in der Regensburger Sportlandschaft geschlossen hat, sondern schon nach sechs Jahren den ewig langen weißen Fleck in der Oberpfalz auf die Zweitliga-Landkarte gebracht hat.

„Wird besser, ist aber immer noch eine Herausforderung“

Die Nachfrage von bald 500 Mitgliedern bestätigt in Zahlen die Wichtigkeit der Donau Volleys, die aus den in Regensburg bekannten Hallennöten – man trainiert in neun verschiedenen Hallen! – gar nicht alles bedienen können. „Vielleicht haben wir versucht, zu früh zu laufen, und waren noch beim Krabbeln”, benutzt Acosta als Bild. „Aber ich habe das Gefühl, dass es immer besser wird. Schon vergangenes Jahr bekam ich eine innere Ruhe. Jetzt bin ich selbstbewusst, dass es besser wird. Aber es ist immer noch eine Herausforderung.”

Vorstand Fernando Acosta ist optimistisch für die Premierensaison der Donau Volleys in der zweiten Liga. – Foto: Christian Brüssel

Nach drei Monaten sportlicher Vorbereitung mit einer Mannschaft, in der Trainer Markus Pielmeier bewusst nur mit punktuellen Neuzugängen agierte und dem bisherigen Stamm die Chance gibt, sind auch die organisatorischen Vorbereitungen mit rund 20 Helfern und zu besetzenden Posten abgeschlossen. Am 23. August gab es eine Generalprobe, jetzt startet der Ernstfall in einer Liga, in der von der Deutschen Volleyball Liga (DVL) ungleich mehr gefordert wird als in Liga drei. Vieles, was bisher freiwillig war, ist jetzt Pflicht. Dazu kommen neue Aufgaben wie ein kommentierter Livestream auf dem Youtube-Kanal von Dyn. Manches hat sich ein bisschen gewandelt: Die Spielerbänke und Werbetafeln stehen zum Beispiel genau andersherum wie bisher.

Lesen Sie hier: Nach 50 jahren wieder zweite im Volleyball in Regensburg

„Unsere größte Herausforderung ist jetzt, dass wirklich Leute in die Halle kommen”, sagt Acosta. „Wir haben bewusst die Ticketpreise, eine Erwachsenenkarte kostet acht Euro, günstig gehalten, damit wir neues Publikum in die Halle bekommen”, sagt der 32-Jährige, der vor 13 Jahren nach Deutschland kam, und hofft besonders auf Studenten. „Daran arbeiten wir, sie in die Halle zu bekommen.”

Fernando Acosta hat für die Saison in der neuen Volleyballwelt ein gutes Gefühl. „Ich kenne die Liga natürlich nicht, alles ist neu. Ich weiß nicht warum, aber ich habe schon das Bauchgefühl, dass wir einige Überraschungen schaffen werden, und wir in der Liga bleiben. Aber das ist natürlich nur ein Gefühl.”

Irgendwann habe ich mich in Volleyball verliebt. Ich will helfen, den Verein aufzubauen, den ich gerne in Mexiko gehabt hätte, als ich da aufgewachsen bin. -Fernando Acosta, Vorstand Donau Volleys

„Ich habe gemerkt, dass es für die Spieler, die meist ewig dritte Liga gespielt haben, eine andere Motivation ist“, hat Acosta erkannt. „Sie wollen beweisen, dass sie hierher gehören.“ Auch finanziell sei alles angerichtet. „Bis zum März hatten wir die Hälfte der Partner. Ja, es war mühsam. Aber es gibt Leute, die sich freuen, eine neue Sportart zu unterstützen, die nicht Fußball ist. Finanzvorstand Christian Schneider und sein Team haben gute Arbeit geleistet.“ Acostas Schluss: „Wir versuchen jetzt zweite Liga, schauen, wie es läuft, und beginnen schon Gespräche für die nächste Saison.“

Lesen Sie hier: So lief das Zweitligadebüt der Donau Volleys in Kriftel.

Auf das, was in Regensburg in den vergangenen Jahren entstanden ist, blickt auch Fernando Acosta fast ungläubig zurück. „Ich bin richtig stolz, hatte nie im Kopf, dass wir so etwas aufbauen können – tatsächlich aus fast nichts. Es ist viel Arbeit, aber ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn ich in die Halle komme. Ich wollte schon immer etwas mit Profisport machen. Irgendwann habe ich mich dann in Volleyball verliebt. Hier will den Verein aufbauen, den ich gerne in Mexiko gehabt hätte, als ich da aufgewachsen bin.“

Übrigens brachte der Wasserschaden in der Clermont-Ferrand-Halle, der sie in der vergangenen Saison lange lahmlegte und Ausweichstätten erforderte, durchaus einen Nutzen: Jetzt ist ein eigenes Volleyballfeld eingezeichnet. „Mit dem blauen Boden und den gelben Linien passt das perfekt. Als ich damals wieder in die Halle kam, dachte ich: Jetzt sieht das wie eine Donau-Volleys-Halle aus.”

„Eine Erfahrung, die man nicht kaufen kann“

Fernando Acosta, der über den Traum, im Ausland zu studieren, nach Deutschland kam, fühlt sich längst zuhause in Regensburg – auch wegen Volleyball. „Eine kleine Geschichte dazu: Inzwischen habe ich schon mit einem Spieler in einem Team gespielt, den ich als 13-Jährigen kennengelernt und gecoacht habe. So eine Erfahrung kann man nicht kaufen. Ich coache sehr gerne, denn ich liebe es, die Entwicklung von Menschen zu sehen.“ Und bei den Donau Volleys soll sich ja auch noch einiges mehr entwickeln.

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