Mit 16 schon Chef auf dem Spielfeld: Willi Möller kämpft mit den Donau Volleys um den Drittliga-Titel

Wilhelm Möller - Volleyball Regensburg

Willi Möller nahm Anlauf, sprintete durch das Spalier der Kollegen von den Donau Volleys, bekam einen kleinen Schubser, verlor das Gleichgewicht und schrammte gegen die Bank an der Hallenwand. Ein lädierter, verbundener Daumen war die Folge: Auch im Jubeln braucht das Talent, das nach dem letztlich souveränen 3:1 (25:23, 25:21, 25:20) als MVP ausgezeichnet wurde und mit seinem Team Tabellenführer der dritten Männer-Liga bleibt, wohl noch ein klein wenig Erfahrung mehr.

Der Prüfeninger ist ein Alleinstellungsmerkmal der Donau Volleys. Denn der Youngster spielt mit seinen gerade einmal 16 Jahren nicht auf irgendeiner Position, sondern auf der wichtigsten im Volleyball. Gemeinsam mit dem vom Außenangreifer umgeschulten Dan Weber teilt er sich den Job des Zuspielers – und braucht unversehrte, feinfühlige Hände.

Der Zuspieler ist der Regisseur, über den nahezu jeder Spielzug läuft und der deswegen viel Verantwortung trägt. Trainer Szabolcs „Szabi“ Beregszaszy sagt über die Schlüsselposition, die so etwas wie der Chef auf dem Spielfeld ist: „Wir haben keinen Fixspieler auf dieser Position. Zwischen den beiden ist kein großer Unterschied. Dan ist vielleicht noch stabiler. Willi macht mit seiner Frechheit vieles, was andere nicht machen. Und das ist ab und zu gut.“

Das Talent tritt die Nachfolge seines Mentors an

Einst fiel Klein-Willi schon am Rande auf. Als Balljunge nutzte er jede Spielpause, um Bälle immer und immer wieder in die Luft zu pritschen. Schon da nahm ihn Michael Brunner unter seine Fittiche, der über lange Jahre die Position des Zustellers bekleidete. „Er hat mich bis nach oben mitgezogen und jetzt habe ich seinen Platz einnehmen dürfen“, sagt Willi Möller. Eine schöne wie ungewöhnliche Geschichte – und der Kontakt blieb. „Ich spiele ja auch noch in Amberg in der Jugend mit Gleichaltrigen. Da trainiert er mich immer noch und wir bereiten uns gerade auf die deutsche Meisterschaft vor.“

In der Familie lag Volleyball in der Vergangenheit bei den Möllers nicht. „Mein Bruder spielt Basketball, meine Schwester hat jetzt auch bei den Donau Volleys angefangen“, berichtet Willi Möller, der mit den Kumpels in der Siedlung vom Fußball über Basketball bis Volleyball allerhand ausprobiert hat. „Mir hat das Technische Spaß gemacht beim Volleyball. Und dass sie dir nicht in der 90. Minute einen Elfer reinknallen können. Beim Volleyball braucht es 25 Punkte, um einen Satz zu gewinnen. Da gibt es vielleicht einen glücklichen Punkt, aber keinen glücklichen Sieg.“ 

Der Youngster gibt wie bei der Oberpfalzmeisterschaft am Sonntag inzwischen selbst schon sein Wissen als Coach an die U 12 weiter, wo er einst nach der Corona-Zeit selbst anfing. „Ich war für die U 12 damals zu alt, aber für die U 16 noch zu jung“, erinnert er sich.

Der Elftklässler der Wirtschafts-Fachoberschule (FOS), weiß noch nicht, wo er beruflich hinwill. Wäre Volleyball-Profi eine Option? „Wenn‘s geht, ich verletzungsfrei bleibe und die Leistung bringe, wäre es schön, natürlich“, sagt er über seine Perspektive – und weiß genau, dass ganz, ganz wenige Spieler in Deutschland vom Volleyball auch leben können. „Ich bin so jung: Wenn ich fertig bin mit Schule und vielleicht Studium, sehe ich schon, ob es für Topniveau reicht oder nicht“, hält Willi Möller den Ball entspannt flach. „Der Weg steht ihm offen“, sagt sein Trainer. „Er versteht das Spiel, hat Spielwitz und ist ein guter Spielmacher. Er muss nur noch mehr kommunizieren. Ich habe ihm gesagt, auf dem Feld ist er nicht 16, sondern unser Spielmacher – egal, ob die Kollegen über 30 sind oder nicht.“

Die Akzeptanz im Team ist da: „Er war der Gamechanger“

Die Akzeptanz im Team fühlt Willi Möller. „Wir sind eine Mannschaft. Nur, weil ich jünger bin, habe ich nicht weniger zu sagen. Wenn ich einen Spielzug ansage, dann spielen wir ihn auch.“ Einer der Angreifer, der von seinen Zuspielen lebt, ist Kilian Grobbink, der Möller lobt: „In Dachau beim 3:2 war er unser Gamechanger. Wir müssen nur aufpassen, dass er auf dem Boden bleibt.“

Und gegen einen Aufstieg der Donau Volleys in die zweite Liga hätte auch Willi Möller nichts. „Es wäre schon super, wenn wir das sportlich und finanziell schaffen. Die zweite Liga ist etwas ganz anderes – und ein großer Schritt zum Profi.“

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